Schreiben wir es nieder!
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Zack Zack

Hierbei handelt es sich um eine frei erfundende Erzählung in zwei wechselnden Perspektiven. Es ist keinen bestimmten Genre zuzuordnen. Es hat abenteuerliche als auch satirsche Züge bekommen. Es handelt um die Flucht einer Schwester vor den tödlichen Wünschen der anderen. Im Laufe des Textet kristallisiert sich die Weltenform sowie der Grund der Fehde.

Seite 1 (Sera)

Auf weichen Sohlen eile ich  bis ich die ersten weiß gestrichenen Fassaden des Dorfes erblicken kann. Ich habe die Oberfläche oft gestreichelt und verwundert festgestellt, dass sie soviel rauer ist als sie aussehen und sogar die Hand zerkratzt wenn ich das blendende Weiß zu leidenschaftlich berührt habe. Die Fensterrahmen sind bei uns immer Sonnengelb gestrichen. Das Dach ist gleichzeitig ein Wasserspeicher und kaum von unten erkennbar. Ich habe als junge Bürgerin gerne im Wasserspeicher geschwommen. Das Regenwasser hatte immer einen interessanten Geruch. Ich habe damals wie heute in den Wolken nur Schuhformen entdecken können und dachte, dass die Sonne oder die Sterne ihre Schuhe verloren hätten, die jetzt über unseren Köpfen schweben um uns eines Tages wie Fliegen zu zerquetschen. Ich habe manchmal ganz schön düstere Gedanken. Deswegen habe ich mir einen Mann in mein Haus geholt.
Er begrüßt mich gleich an der Tür. “Da bist du ja!”, ruft er mit seiner fröhlichen Stimme den Appell aus. Er bedeutet mir viel, dieser Mann, der mich nach Hause wünscht. Ich lächle und lasse noch in der Tür meine Hände von seinen umfangen. “Der Zeh hat gejuckt.”, sag ich beinahe entschuldigend. Vielleicht bin ich bin ich etwas wunderlich, aber mein Zeh juckt ungelogen jedes Mal wenn er Hunger hat.
 Manchmal ist seine Freude mir etwas zuviel. Dann zum Beispiel wenn er sich zu mir runter beugt und ich hören kann wie er die Nasenlöcher bläht. Er riecht an mir. Manchmal hat er etwas von einem Schoßhündchen, der nach dem Mittagessen an den Fingern des Herrchens schnüffelt.
 Ich warte also ab bis er wieder im Haus verschwindet bis ich meine Röcke hochschiebe und die Treppenstufe hinein überwinde. Ich schließe die Tür hinter mir. Dann wandere ich den Flur entlang in den einzigen Raum, wo eine Öllampe das Zimmer erhellt. Mein Mann hat sich auf die Bank gesetzt und klopft auf die Stelle rechts neben ihn. Ich lege meine Hand auf seine. Die frische Herbstluft lässt mich seine Wärme suchen. “Erinnerst du dich an das Versprechen?”, fragt er mich. Ich erinnere mich an viele Versprechen, welche ich ihm gegeben habe und welche er mir. Meine Wangen glühen. Ich habe so einige Versprechen gebrochen, die ich in einem Anflug von Größenwahn ausgesprochen habe. Wie zum Beispiel ihn immer zu lieben. An manchen Tagen ist er einfach zu anders, zu nicht ich, als dass ich ihn wirklich lieben könnte. ”Was meinst du?”  

 

 Seite 2(Renaa)

 Ich erinnere mich an mein erstes Haustier Jackie. Sie war eine weißes Kaninchen. Ein ganz besonders schönes Exemplar mit weichem Fell und roten Äuglein. Ich hatte es so gern, das es sogar in meinem Bett schlafen durfte. Die Nonnen mochten das gar nicht sehen, aber ich hab es trotzdem mit ins Bett genommen. Eines Nachts liebte mich das Kaninchen so sehr, dass es angefangen hat mit mir zu sprechen. Ich schwöre! Es sagte: ”Renaa, du musst jetzt ganz tapfer sein.” Jackie hatte eine ganz wunderbare Stimme. So erfrischend  und klar wie eine Bergquelle. Ich war ganz gebannt und tapfer. “In den nächsten zehn Jahren wird sich viel verändern. Kurz vor der Wendung wirst du die Wahl haben: schreist du zum Himmel, wird Hilfe kommen. Rennst du weiter, wird Hilfe kommen. Bleibst du stehen, wird Hilfe kommen.” Ich musste kichern. ”Dann brauch ich nicht tapfer sein. Hilfe krieg ich so oder so.” Das Kaninchen musste ebenfalls kichern. Allerdings klang das nicht mehr frisch oder klar, sondern einfach nur noch schadenfroh. “Mit einer Hilfe lebst du weiter und mit den anderen beiden wirst du dir wünschen du wärst tot!” Ich war ganz durcheinander. Ich bettelte Jackie an mir zu verraten, welche Hilfe die Gute wäre aber lachte nur! Schließlich drehte meine Schwester ihr den Hals um, weil ich sooft von dem Lachen weinen musste, welches sie allerdings nicht hören konnte. Als ich dann ihre Leiche in der Hand meiner Schwester baumeln sah, wusste ich schon, dass meine einzige Hoffnung verloren war.
Es kann sich jeder denken, dass ich die falsche Wahl getroffen habe.

 

Seite 6 (Sera)

Es war ein Frühling und wir beide wuchsen gerade zu albernen Jugendlichen heran. Wir wurden beide sehr seltsam, denn obwohl es nur den alten Klosterbibliothekar gab, sehnten wir uns beide nach männlicher Gesellschaft. In den billigen Groschenromanen hatten wir einiges über die Männer gelernt. Sie waren stark und immer bereit für ihre Liebste Duelle auszufechten. Sie konnten nicht nur mit Waffen umgehen sondern auch mit der Weiblichkeit selbst. Wie Künstler schmeichelten und stießen ihre Liebste weg. Im Rausch der Gefühle vergaßen sie aber trotzdem nie ihre Pflichten.
Oh, und sie sehen immer gut aus.
Dass der alte Bücherwurm aus seinen besten Jahren heraus war, brauchten wir ein anderes Objekt der Begierde. Renaa die immer sehr listig war, hat aber etwas ausgedacht damit wir mehr männliche Gesellschaft bekommen. Nachts schlichen wir raus und nahmen zwei Steine mit, mit denen wir auf den alten, grauen Mauern schreiben konnten. Wir tobten uns aus, wobei ich mich selbst etwas mehr kennen lernte. Während Renna bei Gemeinheiten wirklich grübeln musste, entfloh es mir wie aus Zauberhand. Ich zeichnete die Konturen eines schlichten Grabsteins. Dann schrieb ich den Namen der alten Zicke Schwester Lynns, sowie die Aussage :“Ungebraucht zurück gegeben,” auf den Grabstein. Renata konnte sich kaum beherrschen als die Drohung und Beleidigung der Jungfräulichkeit Schwester Lynns einen Tobsuchtsanfall kostete. Ihr Kopf wurde so rot, dass man Würstchen hätte drauf braten könnte. Schimpfend tat sie aber das, was wir erhofft hatte: Sie beauftragte die Garde das Kloster vor weiterem Vandalismus zu beschützten. Drei stattliche Männer bewachten uns ab da an. Erst waren wir enttäuscht über ihr ständiges Schweigen. Außerdem beachteten sie uns kaum. Ständig tätschelten sie ihren Schwertknauf aber für mein weißes Nachthemd, in dem ich zum Badehaus schlich, hatten sie kein Auge übrig. Irgendwann waren wir beide so wütend auf sie, weil sie uns kein bisschen an die Romanhelden erinnerten, dass wir sie mit heimlich mit Steinen bewarfen. Das führte dazu, dass zwei weitere Männer nachrückten. Denn klauten wir ihre bronzeroten Rüstungen. Darauf kamen weitere Männer. Denn schnitten wir Nachts die Haare ab. Irgendwann  waren so viele da, dass uns einer gefallen musste.
Wenigstens hofften wir das. Am Ende rückten sie aber wieder alle ab, nachdem der böse Dämon, der ihnen all diese Streiche gespielt hat die Lust am Spiel verloren hatte. Monatelang geschah danach nichts mehr. Wir schwuren uns später keinen Gardisten zum Mann zu nehmen. Viel zu viele Angeber, die Angst vor Dämonen haben.
“Selbst wenn sie gestehen würde. Niemand würde ihr glauben.”, antworte ich. Sie ist der Dämon, den keiner sieht. Ich weiß, dass sie es sich nicht ausgesucht hat. Ich hab es mir aber ebenfalls nichts ausgesucht. Und wenn ich die Einzige bin, die diesen Dämon richten kann, dann muss ich es tun.
 

19.8.13 19:14
 


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